Blogs und ihre Abhängigkeiten – oder: "Blogging globalisiert?"

Zuallererst mal: Ich bin kein Gegner der vernetzten Welt, des vermaschten Internets oder der ineinander greifenden Dienste, im Gegenteil, ich finde das tolle an der Netzwelt ist die Möglichkeit, unendlich viele Dienste ortsunabhängig zu verbinden. Allerdings sind mir die Probleme, die EIN einziger Dienst hatte, nämlich Gravatar, auf so gut wie jedem blog aufgefallen, jeder Kommentar war irgendwie anonymer als sonst (gerade in der blogosphaere eher unschön). Sicherlich, das ist kein Weltuntergang, und vermutlich wird keiner deshalb sein Geld oder etwas anderes verlieren. Gravatar ist aber nur eines der Dienste, die heutzutage sehr in Anspruch genommen werden. Ich rede hier von Dienste von Drittanbietern, auf die ich als Webseiten/Blog-Betreiber keinen Einfluss habe.
Was für Dienste haben wir hier im Detail:

um nur einige zu nennen.
gravatar:
Wenn gravatar ein Problem hat, bekommen wir einfach keine avatare mehr in Posts/Kommentaren auf den blogs oder in Foren. Das ist ärgerlich, und auch unpersönlich, aber zu verschmerzen.

google:
Sicher, die Internetsuche ist natürlich eingeschränkt, es gibt aber natürlich noch andere Suchmaschinen. Allerdings ist hier auch wieder ein Haken: Viele user haben extra bei google eine .xml-sitemap eingereicht, damit auch die Seiten im letzten Winkel indiziert werden. Hier hängen die anderen Suchmaschinenbetreiber noch hinterher, diese sitemap gilt erstmal nur für google. Effekt ist: Andere Suchmaschinen haben vielleicht nicht alle Seiten indiziert und finden daher nicht alles.

feedburner:
Viele Webseiten, ob blog oder nicht, bieten Ihre aktuellen Beiträge, News oder Angebote per rss-feed an. Und seit einiger Zeit wird feedburner als, sagen wir mal, zentralisierter feed-Kanal, immer beliebter. Dieser hat natürlich Vorteile, allen voran die sehr einfache Statistik über die Leserschaft. Eine downtime dieses services würde mir allerdings ziemlich zu schaffen machen, ich habe einige Dutzend feeds abonniert. Das würde also dazu führen, dass ich jede Seite einmal aufrufe und nach feeds suche – und manchmal gibt es gar keine “richtigen” feeds mehr, man verlässt sich ja auf feedburner.

flickr, youtube:
Zwei typische Gesellen für die neue Denkweise des “web2.0″, “ich share alles”. Ich kann Bilder und Videos bereitstellen, manche Bildergallerien auf blogs oder websites sind schon komplett auf flickr ausgelagert. Klar ist das sehr praktisch, ich brauche keinen eigenen webspace, kein Traffic geht drauf, etc… flickr weg – mehr als 22.000.000 Bilder nicht verfügbar. Ähnlich verhält es sich auch mit youtube. Ich denke, einige blogs wären wohl ziemlich leer…

technorati, del.icio.us, bloglines, furl, …:
Ok, relativ unkritische Zeitegnossen. Beim Wegfall dieser Dienste können wir halt nicht mehr vernünftig blogs durchsuchen, finden, bookmarken, etc.

amazon:
Oh Gott, meine Buchtipps… ;) ok, ok..

Worauf ich hierbei hinaus möchte, ist einfach: Früher (bis vor einigen Jahren vielleicht) war es üblich, alles so weit wie möglich bei sich zu halten, dazu zählen auch Bildergallerien, Videos, RSS-feeds, Avatare, Counter, Statistik-tools, die bookmarks usw. Wie schon erwähnt, mir sind die Vorteile solch einer “zentralen” Haltung dieser Dienste durchaus bewusst, alleine gravatar ist halt einfach unschlagbar praktisch. Früher hätte ich auf jeder einzelnen Webseite oder auf jedem einzelnen blog einen login benötigt… fast nicht mehr denkbar, bei der Menge.
Vielleicht kann man das ein wenig mit der Globalisierung vergleichen – es führt aber in gewissem Maße in die Abhängigkeit von diesen Diensten. Und sind wir mal ehrlich, gravatar mit momentan 4,531,158,955 served avatars stellt schon ein gewaltiger Faktor dar.
Ich habe mich am Anfang dagegen gesträubt, irgendwelche Dinge aus meiner Obhut zu geben, mittlerweile werden es auch immer mehr, die “extern” abgewickelt werden, sei es aus Bequemlichkeit (Amazon, Technorati) oder aufgrund der Akzeptanz (Gravatar, Feedburner). Diese ganze Auslagerung scheint so ein bisschen das web2.0 auszumachen, alles für jeden, jeder kann alles sehen.
Ich möchte mich hier auf keinen Fall gegen diese Dienste richten, im Gegenteil, das ist soweit alles sehr praktisch – ich möchte nur etwas zum Nachdenken und zur Diskussion anregen, vielleicht gibt es hier ähnliche Denkweisen.

2 Kommentare fuer “Blogs und ihre Abhängigkeiten – oder: "Blogging globalisiert?"”


  1. 1Jeena Paradies

    Du kennst die Alternative http://pavatar.com ?

  2. 2Rüdiger

    Erstmal hallo!
    Danke für den Tip, ich kannte pavatar.com bishher nicht! Ich werde es mal ausprobieren. Allerdings besteht das Problem mit gravatar.com immer noch – vielleicht fliegt morgen ja pavatar.com ab? :)

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